Fasten ist keine moderne Erfindung – es ist ein uraltes Ritual, das tief in der Geschichte der Menschheit verwurzelt ist. Schon unsere Vorfahren in der Steinzeit waren unfreiwillige Fastende, wenn Nahrung knapp war. Dieses periodische Fehlen von Nahrung hat unser Überleben geprägt und unseren Stoffwechsel entscheidend beeinflusst. Mit der Entstehung von Hochkulturen wurde das Fasten dann bewusst praktiziert – oft als reinigendes oder spirituelles Ritual.
Im alten Griechenland fasteten Philosophen wie Pythagoras, um Klarheit und geistige Stärke zu erlangen. Im Mittelalter war das Fasten integraler Bestandteil des christlichen Kalenders, insbesondere in der Fastenzeit vor Ostern. Auch in anderen Religionen hat das Fasten eine zentrale Bedeutung: Im Islam wird während des heiligen Monats Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefastet, um sich spirituell zu reinigen und Mitgefühl für Bedürftige zu entwickeln. Buddhisten und Hindus nutzen das Fasten zur Förderung von Disziplin und Meditation, während im Judentum der Jom Kippur – der Versöhnungstag – durch Fasten gekennzeichnet ist.
Doch was hat dieses uralte Ritual mit moderner Wissenschaft zu tun? In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung das Fasten aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Es wird nicht mehr nur als religiöses oder kulturelles Phänomen gesehen, sondern als potenzielles Werkzeug zur Förderung von Gesundheit und Langlebigkeit. Welche Effekte hat Fasten wirklich auf unseren Körper? Und wie können wir diese uralte Praxis in unseren modernen Lebensstil integrieren?
Was passiert beim Fasten in unserem Körper?
Sobald wir für längere Zeit keine Nahrung zu uns nehmen, durchläuft unser Körper mehrere metabolische Phasen, und stellt seine Energiegewinnung um:
- Glykogenspeicher leeren: Die ersten Stunden nach der letzten Mahlzeit greift der Körper auf die gespeicherten Kohlenhydrate in Form von Glykogen in der Leber und den Muskeln zurück. Diese Vorräte reichen in der Regel für etwa 12 bis 24 Stunden.
- Fettverbrennung und Ketose: Sobald die Glykogenspeicher erschöpft sind, beginnt der Körper, Fett in sogenannte Ketonkörper umzuwandeln, die als alternativer Energielieferant für Gehirn und Muskulatur dienen. Dieser Zustand wird als Ketose bezeichnet und ist einer der Hauptgründe, warum Fasten so viele positive Effekte auf den Körper haben kann.
- Autophagie: Nach etwa 16 bis 24 Stunden ohne Nahrung beginnt die sogenannte Autophagie. Dabei handelt es sich um einen zellulären Reinigungsprozess, bei dem alte oder beschädigte Zellbestandteile abgebaut und recycelt werden. Diese Phase des Fastens wird besonders mit gesundheitsfördernden Effekten in Verbindung gebracht.
Wissenschaftlich belegte Vorteile des Fastens
Die gesundheitlichen Effekte von Fasten sind vielfältig und gut dokumentiert:
- Gewichtsreduktion: Fasten, insbesondere intermittierendes Fasten, kann effektiv dabei helfen, Übergewicht zu reduzieren. Durch die Fettverbrennung werden Fettdepots gezielt abgebaut.
- Verbesserte Insulinsensitivität: Regelmäßige Fastenphasen können die Insulinwirkung verbessern und damit das Risiko für Typ-2-Diabetes senken
- Reduktion von Entzündungen: Fasten wirkt entzündungshemmend, was unter anderem bei chronischen Erkrankungen wie Rheuma oder Herzerkrankungen von Vorteil sein kann.
- Anti-Aging-Effekte: Die Autophagie unterstützt die Regeneration der Zellen und wird mit einem verlangsamten Alterungsprozess in Verbindung gebracht.
- Verbesserte Gehirnfunktion: Studien zeigen, dass Fasten die Produktion von BDNF (brain-derived neurotrophic factor) fördert, einem Protein, das für die Bildung neuer Nervenzellen und die kognitive Gesundheit essenziell ist.
Welche Arten des Fastens gibt es?
Fasten ist nicht gleich Fasten. Es gibt verschiedene Ansätze, die sich in ihrer Dauer und Strenge unterscheiden:
- Intermittierendes Fasten: Hierbei wechseln sich Essens- und Fastenphasen ab, beispielsweise das 16:8-Modell (16 Stunden Fasten, 8 Stunden Essenszeit).
- Heilfasten: Diese Methode umfasst mehrtägige Fastenperioden, oft unter medizinischer Aufsicht. Es werden nur Flüssigkeiten wie Wasser, Tee oder klare Brühen konsumiert.
- Religiöses Fasten: Beispiele sind der muslimische Ramadan oder das christliche Fasten vor Ostern, bei denen der Verzicht auf Nahrung oft mit spirituellen Praktiken verbunden ist.

Wer sollte nicht fasten?
So gesund Fasten auch sein kann, es ist nicht für jeden geeignet. Schwangere, Stillende, Kinder, Menschen mit Essstörungen oder bestimmten chronischen Erkrankungen sollten nicht fasten oder dies nur unter ärztlicher Aufsicht tun. Auch bei starkem Untergewicht, fortgeschrittenem Diabetes, bestimmten Schilddürsenerkrankungen oder bestimmten Medikamenteneinnahmen kann Fasten problematisch sein.
Praktische Tipps für einen erfolgreichen Start ins Fasten
- Hydration: Trinken Sie ausreichend Wasser, um Dehydrierung zu vermeiden.
- Langsam starten: Beginnen Sie mit kurzen Fastenperioden und steigern Sie die Dauer langsam.
- Keine Übertreibung: Fasten ist kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Achten Sie darauf, in den Essensphasen nährstoffreiche Lebensmittel zu sich zu nehmen.
- Bewegung: Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Yoga unterstützt den Stoffwechsel während des Fastens.
Fasten als Lebensstil
Fasten ist weit mehr als ein kurzfristiger Ernährungstrend. Es kann zu einer ganzheitlichen Verbesserung der Gesundheit beitragen, von der Zellerneuerung bis hin zur kognitiven Leistungsfähigkeit. Wichtig ist jedoch, auf den eigenen Körper zu hören und die Methode zu finden, die am besten zu den individuellen Bedürfnissen passt. Lassen Sie sich gerne in meiner Ordination beraten, um herauszufinden, wie Fasten Ihre gesundheitlichen Ziele unterstützen kann.